Landespflanzenschutzdienst
Phytosanitäre Export-Kontrollen
Im Jahr 2025 haben die Inspektoren des Landespflanzenschutzdienstes nach entsprechenden Kontrollen insgesamt 8.579 Pflanzengesundheitszeugnisse für den Export von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen in 56 Drittländer ausgestellt. Rund 94 % davon betrafen Apfelexporte, der Rest entfiel auf den Export von Pflanzen sowie von Holz, Holzerzeugnissen und anderen pflanzlichen Produkten. Die exportierte Apfelmenge in Drittländer lag bei 147.182 Tonnen, rund 34 % mehr als im Vorjahr und auch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre.
Auf die 5 wichtigsten Importländer von Äpfeln aus Südtirol, Saudi-Arabien, Ägypten, Norwegen, Brasilien und Israel, entfielen mit 96.092 Tonnen rund 65 % der exportierten Äpfel. Saudi-Arabien war, wie schon in den vergangenen Jahren, das wichtigste Exportland. Deutlich gesteigert gegenüber dem Vorjahr wurden die Exporte nach Ägypten (plus 175 %) und Indien (plus 52 %). 20.866 Tonnen Äpfel wurden in lateinamerikanische Länder exportiert, wo sich mittlerweile Brasilien als wichtigster Markt etabliert hat.
Monitoring betreffend Quarantäneschadorganismen
2025 wurden 71 Quarantäneschadorganismen überwacht. Davon haben sich 4 seit einigen Jahren in Südtirol oder Teilen Südtirols etabliert. Für die bekannten Befallsgebiete wurden jeweils spezifische Maßnahmen auf Landesebene erlassen. Die Kontrollen auf Quarantäneschadorganismen finden auf dem gesamten Südtiroler Landesgebiet statt. Zum Teil sind dafür Risikostandorte für eine Einfuhr bzw. ein Erstauftreten zu identifizieren und zu überwachen. So wurden 2025 über 90 verschiedene Pflanzenarten in den verschiedensten Betrieben und Landschaftselementen (z.B. Gärtnereien, Weingärten, urbanes Grün) inspiziert.
Den größten Aufwand stellten dabei visuelle Kontrollen (ca. 6095) dar. Darüber hinaus erfolgten rund 1.375 Inspektionen im Rahmen der Betreuung von 106 Lockstofffallen und 873 Probenentnahmen für Laboranalysen. Der Pflanzenschutzdienst wurde dabei vom Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau unterstützt. Im Juli wurden in Fallen erstmals vier Exemplare des Japankäfers (Popillia japonica) im Etschtal und Unterland entlang der Hauptverkehrsstraßen (Mebo und A22) gefunden. Diese Funde sind auf „Tramper“-Insekten zurückzuführen, die aus anderen Herden in Italien stammen, und es gibt derzeit keine Anzeichen für eine dauerhafte Ansiedlung in Südtirol.
Apfelexporte in Drittländer 2021 bis 2025 (in Tonnen)
N.B.: Nicht für alle Drittländer, u.a. das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Bosnien-Herzegowina, ist für Apfelexporte ein Pflanzengesundheitszeugnis erforderlich. Aufgrund geänderter Importbestimmungen ist nunmehr auch für die Ausfuhr nach Montenegro ein Pflanzengesundheitszeugnis erforderlich.
Situation Feuerbrand
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 38 Fälle nachgewiesen, wobei fast ausschließlich Apfel-Neuanlagen betroffen waren. Die meisten Fälle wurden in den Gemeinden Naturns und Partschins festgestellt. In den meisten Fällen war eine „Sanierung“ durch den Ausschnitt befallener Äste möglich. Nur in einem Fall musste aufgrund des starken Befalles die Rodung der gesamten Anlage angeordnet werden. Zudem wurde in einigen Anlagen im Herbst Unterlagenbefall festgestellt.
Gemeinden mit nachgewiesenem Feuerbrandbefall 2025
Vergilbungskrankheiten der Rebe
Die beiden bedeutendsten Vergilbungskrankheiten der Rebe, welche durch Phytoplasmen hervorgerufen werden, sind die Schwarzholzkrankheit (Candidatus Phytoplasma solani) und die Goldgelbe Vergilbung (Grapevine flavescence dorèe phytoplasma). Letztere ist aufgrund ihrer Virulenz und epidemischen Ausbreitung in der Europäischen Union als Quarantänekrankheit eingestuft und unterliegt daher der Melde- und Rodungspflicht. Verdachtsfälle müssen somit dem Pflanzenschutzdienst oder dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau gemeldet werden. Da die Symptome der Vergilbungskrankheiten der Rebe optisch nicht unterscheidbar sind, ist für die Identifizierung des Erregers eine Laboranalyse notwendig.
Im Jahr 2025 wurden im Monitoringprogramm der Vergilbungskrankheiten der Rebe vom Pflanzenschutzdienst in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau insgesamt 266 Blattproben von symptomatischen Rebstöcken analysiert. Dabei wurde in 95 Fällen (36 %) der Erreger der Schwarzholzkrankheit und in 106 Fällen (40 %) der Erreger der Goldgelben Vergilbung nachgewiesen.
Der Pflanzenschutzdienst hat im Jahr 2025 eine Vielzahl an phytosanitären Kontrollen in den bestehenden Befallszonen sowie in den aufgelassenen Rebanlagen durchgeführt. Weiters wurde auch stichprobenartig die Durchführung der obligatorischen Bekämpfung gegen den Hauptvektor Scaphoideus titanus kontrolliert. Dabei wurden mehrfach phytosanitäre Vorschriften nicht eingehalten, weshalb 43 Verwaltungsstrafen verhängt wurden. Insgesamt wurden an 51 Standorten Gelbtafeln ausgehängt, um das Vorhandensein des Hauptüberträgers der Goldgelben Vergilbung, Scaphoideus titanus, zu überwachen. Es wurden 1.367 Exemplare von Scaphoideus titanus auf Gelbtafeln gefangen.
Rebschulwesen
Im Jahr 2025 wurden in Südtirol auf einer Fläche von 13,76 ha Schnittgärten für Vermehrungsmaterial zur Produktion von Pfropfreben betrieben. Während die Rebschulen mit Rechtsitz in Südtirol auf dem Landesgebiet vorwiegend Edelreis-Material erzeugen, befinden sich die Schnittgärten für Unterlagen zum Großteil in anderen Regionen. Neben visuellen Kontrollen während der Vegetationszeit wurden im Herbst in den Schnittgärten Proben von verholztem Rebmaterial für Virustests entnommen. Bei keiner der beprobten Partien wurden Virosen festgestellt.
Die Gesundheit und Holzreife für die 2025 produzierten Jungreben kann, trotz der besonderen klimatischen Bedingungen, als sehr gut eingestuft werden. Insgesamt wurden in Südtirol 232.533 amtlich zertifizierte Pfropfreben produziert. Zusätzlich wird eine hohe Zahl an Pfropfreben von Südtiroler Betrieben in anderen Regionen Italiens – vor allem im Veneto – produziert. Zu den am häufigsten veredelten Rebsorten in Südtirol zählen in abnehmender Reihenfolge Chardonnay, Ruländer, Sauvignon, Blauburgunder, Weißburgunder, Lagrein und Kerner.
Kartoffelanbau
Der Saatkartoffelanbau unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen. Der Pflanzenschutzdienst führt visuelle Kontrollen im Feld und im Lager durch und entnimmt Kartoffelknollen für die Laboruntersuchung auf die Bakterielle Ringfäule (Clavibacter sepedonicus) und die Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum). Saatkartoffeln dürfen ausschließlich auf Flächen angebaut werden, die sich als frei von Kartoffelzystennematoden (Globodera pallida und Globodera rostochiensis) erwiesen haben. Dieser Nachweis ist mittels Laboruntersuchungen zu erbringen. Im Jahr 2025 wurden von der Pustertaler Saatbaugenossenschaft insgesamt 153,21 ha für die Erzeugung von Saatkartoffeln angemeldet. Je nach Bodenbeschaffenheit werden verschiedene Sorten angebaut; die meistangebauten Saatkartoffelsorten sind Kennebec, Desiree, Sissi, Spunta und Solo.
Im Sinne des LG 11/98 wurde einem Unternehmen ein Kapitalbeitrag im Ausmaß von 50 % für den Ankauf von hochwertigem Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Saatkartoffeln für einen Gesamtbeihilfewert von 100.000,00 Euro gewährt.
RUOP und Pflanzenpass
Im amtlichen Unternehmerregister „RUOP“ (Registro ufficiale degli operatori professionali) waren am Stichtag 31.12.2025 294 Betriebe mit Rechtssitz in Südtirol registriert. Die Anzahl der neuen Registrierungen ist das vierte Jahr in Folge bedeutend geringer als in den ersten Jahren nach dem Inkrafttreten des neuen EU-Gesetzespaket zur Pflanzengesundheit im Dezember 2019. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich zwischenzeitlich auch Betriebe registriert haben, die nur gelegentlich diesbezügliche Tätigkeiten ausführen. So wurden 2025 zehn neue Betriebe ins RUOP eingetragen. Die Ermächtigungen wurden für die Tätigkeit im Import/Export-Sektor und für die Produktion und Handel von Pflanzmaterial bzw. Vermehrungsmaterial ausgestellt. Zusätzlich wurden 8 Betriebe erstmals ermächtigt, Pflanzenpässe auszustellen. Parallel zu den neuen Eintragungen erfolgten 2 Löschungen aus dem RUOP. Betreffend den Pflanzenpass sind 2025 zwischen November und Dezember 25 Betriebe amtlich kontrolliert worden. Im Rahmen dieser Kontrollen wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.
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